Nachbereitung der Proteste gegen die IAA

Die Proteste gegen die Internationale Automobilausstellung (IAA) in München liegen hinter uns. Da es eine zentrale Mobilisierung für uns war, wollen wir mit diesem Text eine etwas ausführlichere Auswertung vornehmen.

Aktionen, Aktionen, Aktionen …
Die wohl offensichtlichste Feststellung zuerst: Der Ablauf der IAA konnte, entgegen der Ankündigung der Polizei, keine Störungen zuzulassen, durch vielfältige offene und verdeckte, friedliche und militante Aktionen gestört werden.

Als „Perspektive Kommunismus“ haben wir uns an den Aktionen von „Smash IAA“ beteiligt und mit dem Klassenkampf-Zelt einen eigenen revolutionär-klassenkämpferischen Ausdruck auf dem Mobilitätswende Protestcamp in München geschaffen. In unserem Zelt fanden neben Vorträgen verschiedener Strukturen  und Initiativen – unter anderem ein Vortrag von uns zu revolutionären Strategien im Klimakampf – auch der „Smash IAA“ Infostand und ein kleiner Aufenthaltsbereich seinen Platz.

Zu den Aktionen: „Smash IAA“ organisierte am Aktionstag zwei Finger, die auf verschiedene Arten die scheinbare Spaltung zwischen Arbeiter:innen und Klimabewegung überwinden und den Charakter der IAA als Greenwashing-Event des Autokapitals entlarven sollten. Am Königsplatz auf dem stark bewachten IAA Open-Space Gelände tauchte am Vormittag überraschend für Bullen und IAA-Security ein Blockade-Finger auf. In gelben Warnwesten und mit Rauch untermalt besetzten knapp 50 Menschen den BOSCH-Messestand, verschönerten den Stand mit Stencils, „Bosch-Enteignen“ Konfetti und Transpis und machten mit Megafondurchsagen auf das hier betriebene Greenwashing auf Kosten der Beschäftigten aufmerksam. Im Anschluss verließ der Finger selbstbestimmt und geschlossen wieder das Gelände und konnte noch eine kurze Spontandemonstration abhalten. Auch wenn die meisten Aktivist:innen kurz darauf von einen großen Bullenaufgebot gekesselt wurde – was im Herzen der Bullenfestung IAA wohl zu erwarten war – blieb die Stimmung kämpferisch und gut.

Fast gleichzeitig zu dieser Aktion sammelte sich der offizielle Finger von Smash IAA in der Nähe des bedrohten BOSCH-Werks im Stadtteil Berg am Laim. Nachdem klar war, dass die Bullen jeden Versuch das Camp geschlossen zu verlassen mit Gewalt und in Überzahl unterbinden würden, hatte sich auch dieser Finger auf verdeckten Wegen an sein Ziel begeben. Das BOSCH-Werk Berg am Laim soll geschlossen werden, Vorwand dafür ist die Umstellung auf Elektromobilität. Eine gemeinsame Kampagne von Klimaaktivist:innen und Beschäftigten setzt sich dort für den Erhalt des Werks und die klimafreundliche Umstellung der Produktion unter Arbeiter:innenregie ein. Schon die Anreise zur Aktion war ein voller Erfolg, da Polizeibegleitung komplett verhindert wurde, und trotzdem ein Großteil des ursprünglichen Fingers, auch unorganisierte Menschen, mitgenommen werden konnten. Eine stimmungsvolle Sponti ging Richtung Werk, wo dann das Vordach von Aktivist:innen besetzt wurde, die ein Banner anbrachten, das zum gemeinsamen Kampf von Arbeiter:innen- und Klimabewegung aufruft. Nachdem hier ebenfalls das Werk verschönert, und eine ca. 20 minütige Kundgebung abgehalten wurde, ging auch dieser Finger selbstbestimmt wieder in Richtung U-Bahn. Erst dort trafen die anscheinend von der Aktion überraschten Bullen ein und versuchten den Weg zu versperren. Kreativ und auf verschiedenen Wegen konnten aber alle Aktivist:innen Verhaftungen entgehen und wieder sicher das Camp erreichen.

Am gleichen Tag gelang es ebenfalls den anderen Bündnissen, Störaktionen durchzuführen. So wurde am Rand der angemeldeten Demonstration von „No future for IAA“ zwei Häuser besetzt und der Stand von Daimler in der Innenstadt von „Sand im Getriebe“ lahmgelegt. Zusätzlich gab es kleinere Störaktionen und eine Blockade der „Blue Lane“ durch eine Abseilaktion. Sowohl bei diesen Aktionen als auch bei Durchbruchversuchen von Fingern, die vom Camp aus starteten, kam es zu Konfrontationen mit den Bullen, die sich nicht scheuten Pfeffer und Schlagstock einzusetzen.
Am Abend begrüßte eine spontane Demo mit roten Fahnen und antikapitalistischen Parolen aus dem Camp heraus die übrigen zurückkehrenden Aktivist:innen. Der Aktionstag konnte so mit einem starken solidarischen Moment kollektiv beendet werden.

Am Samstag ging es weiter mit einer Großdemonstration, die hauptsächlich von NGOs organisiert wurde. An der Demo beteiligten sich stabile Blöcke von Smash IAA und Sand im Getriebe/No future for IAA. Laut und kämpferisch zogen diese mit pyrotechnischer Untermalung los. Neben einigen Rauchtöpfen gab es aus der Demo heraus eine Baumkletteraktion, bei der ein Transparent gespannt wurde. Der darauf folgende Versuch der Bullen einen Teil des Block-IAA Blocks zu Kesseln, sowie den Smash-IAA Block vom Rest der Demo abzutrennen, konnte jedoch genauso wie die Festnahme der kletternden Aktivist:innen verhindert werden.

Als „linker“ Teil der Demo ging es mit Verzögerung weiter auf der Demoroute Richtung Theresienwiese. Die NGOs, die vorher noch großmütige Solidarität auch mit den grenzüberschreitenden Aktionsformen geäußert hatten – wörtlich: „wir werden mit Sand im Getriebe los laufen und wir werden mit Sand im Getriebe wieder Ankommen – hielten von ihren eigenen Worten wohl wenig und sind größtenteils schon kurz nach dem Angriff und dem Stopp durch die Bullen ohne die betroffenen Blöcke weiter gezogen.

Zusätzlich zu den offen angekündigten Massenaktionen konnten im Laufe der IAA trotz des massivem Polizeiaufgebots von 4500 Bullen, die rund um die Uhr die ganze Woche über die IAA und die Symbole der Autoindustrie schützen sollten, offensichtlich auch einige weitergehendere Aktionen gelingen. In der Nacht auf Mittwoch wurde ein Autohaus von BMW angegriffen, der Vorstandsvorsitzende von VW, Herbert Diess, bekam an seiner Privatadresse einen Besuch der sogar den VW-Konzern zu einer weinerlichen Pressemitteilung veranlasste  und aus einer größeren Gruppe heraus wurde die Zentrale des LKW- und Rüstungs-Produzenten MAN angegriffen und markiert.
Die Erfolge der verschiedenen Aktionsformen machen Mut und haben gezeigt, dass die Herrschenden auch mit riesigen Bullenaufgeboten und ausgeprägten Überwachungsmöglichkeiten nicht unangreifbar sind.

Die IAA und die Gegenproteste
Die IAA 2021 wurde in ihrer neuen Ausrichtung als „Mobilitätsmesse“ beworben. Der tatsächliche Charakter der IAA blieb natürlich ein Statussymbol der Autoindustrie, Werbefläche für neue Marktsegmente und nebenbei auch als ganz reale Investition (durch die Ticketpreise und Standgebühren finanziert sich der Verband der deutschen Automobilindustrie). Die schwächelnde deutsche Autoindustrie, die eigentlich schon den Anschluss an die E-Antriebs-Produktion verloren hat, hat hier nochmal alles gegeben um sich grün, zukunftsfähig und begehrenswert zu geben.
Wie immer trügt der grüne Schein – auch wenn E-Skooter, Fahrräder und allerlei digitaler Schnickschnack auf der IAA zur Schau gestellt wurden, bleibt der Verbrennungsmotor mit vielen PS als Verkaufsschlager der deutschen Autoindustrie zentral.

Unternehmen, die noch vor Kurzem wegen Abgasskandalen in der Kritik waren, versuchen hier sich als Klimaretter darzustellen. Diese Strategie war so durchschaubar, dass nicht nur Linke, sondern ein breiter Kreis an bürgerlichen Kräften, umweltpolitischen NGOs und Parteien zu Protesten aufriefen. Gezeigt hat sich das vor allem in der NGO-Demonstration am Samstag. Dieser Kreis wurde nicht von linken Teilen des NGO-Spektrums dominiert und bot nicht zufällig wenig Anknüpfungspunkte für klassenkämpferische und antikapitalistische Politik.

Und tatsächlich hat sich in der Tat bewiesen, was sich Worten bereits vorher angekündigt hatte. Trotz der festen Solidaritätszusage ließ das NGO-Bündnis den militanten Teil der Großdemonstration im Stich. Wieder einmal hat sich in der Praxis bewiesen, dass wir uns nicht auf große NGOs und bürgerliche Parteien verlassen sollten, sondern vor Allem auf unsere Selbstorganisierung von unten.
Mit den anderen linken Bündnissen gab es dabei ein solidarisches Verhältnis und punktuelle Zusammenarbeit. Die unterschiedlichen Ausrichtungen von „Smash IAA“, „Sand im Getriebe“ und „No future for IAA“ wurden in den Aktionsformen, Zielen und im Ausdruck deutlich. Mit der relativen Eigenständigkeit der Smash IAA Mobilisierung und ihrem solidarischen Verhältnis zu den anderen Spektren konnte die eher neue klassenkämpferische Strömung in der Klimabewegung auch bei einer solchen Großmobilisierung eine gewisse Bedeutung erreichen, und andeuten was noch möglich ist.

Begleitet wurde die IAA von einer massiven Öffentlichkeitskampagne gegen die Proteste: Die IAA unterstützt haben unter anderem die Grünen, die als regierende Fraktion im Stadtrat die Messe mit nach München geholt hatten – darüber konnte auch nicht der billige Versuch hinwegtäuschen sich mit einem Stand auf der NGO-Demo als IAA-kritisch zu verkaufen. Während der Proteste äußerten sich viele führende Politiker:innen, von Baerbock bis Laschet positiv gegenüber der angeblich so nachhaltigen Veranstaltung und kritisch gegenüber den Protesten. Etwas offensiver haben BILD & Co mit den üblichen platten Parolen gegen die Klimabewegung gehetzt (Inklusive Bilder von Infrastruktur-Autos des Protestcamps mit Angabe ihres angeblichen Co2-Ausstoßes). Das Bild der gefährlichen Linksradikalen auf der einen und der netten, beliebten IAA auf der anderen Seite, hat nur das fortgeführt, was das Drecksblatt zu jeder größeren linken Protestveranstaltung zu sagen hat. Die Stimmung in der Münchener Bevölkerung gegenüber der IAA war aber von Anfang an durchaus gespalten, was sich sogar in den Presseberichten verschiedener liberaler Zeitungen wiederfinden lässt. Natürlich gab es viele Autofans, die die Ausstellung besuchten. Aber auch viel Kritik: Weil die IAA trotz Corona durchgezogen wurde und auch weil dafür ein Großteil der Innenstadt gesperrt werden musste. Aber auch inhaltlich: Weil viele Menschen das Greenwashing der Konzerne und Anpreisen überdimensionierter protziger Karren, die sowieso schon täglich die Stadt verstopfen, satt haben.

Die Repression …
Die IAA zu verteidigen war offensichtlich und angekündigt Priorität der bayerischen Behörden. Hier hat der Staat ganz direkt gezeigt, dass er als Beschützer des deutschen Kapitals auftritt: Mit dem größten (und wahrscheinlich teuersten) Polizeieinsatz in München seit 20 Jahren wurde diese private Autowerbeveranstaltung durchgeprügelt. Repressionsbehörden haben schon im Vorfeld mit allen Mitteln versucht die Proteste zu kriminalisieren und Bilder von gewalttätigen Protesten in G20-Manier gezeichnet.

Die Bullentaktik setzte außerdem auf möglichst hartes Eingreifen in den ersten Tagen der IAA und bei der Anreise, wohl um die Aktivist:innen frühzeitig einzuschüchtern und von Aktionen abzuhalten. Eine offen angekündigte satirische Führung über die Open Spaces der IAA am Mittwoch wurde noch bevor sie gestartet war am Odeonsplatz gekesselt und die 40 Teilnehmer:innen unter absurden Vorwänden teils bis spät in die Nacht festgehalten. Außerdem wurden verschiedene kollektive Zuganreisen zum Protestcamp sofort von Großaufgeboten in Empfang genommen und die Menschen stundenlang durchsucht. Viele Aktivist:innen erhielten nur auf Grund von „linkem Aussehen“ oder kritischen Flyern in der Tasche für alle IAA-Bereiche Platzverweise.

Bei den Meisten brachte diese Taktik aber vor allem noch mehr Hass auf die Bullen und Entschlossenheit hervor. Das aufgebaute Szenario der Bullen, sie hätten jederzeit alles unter Kontrolle, konnte spätestens am Freitag nicht mehr aufrecht erhalten werden. Mehrere Finger von Sand im Getriebe, die vom Camp auf der Theresienwiese starteten, wagten Durchbruchsversuche. Auch wenn diese relativ schnell scheiterte, bewiesen sie doch einige Entschlossenheit und Bereitschaft, sich mit den Bullen anzulegen. Dass dann die beiden Finger von Smash-IAA trotz der scheinbar permanenten Überwachung unbemerkt an ihr Ziel gelangen und ihre Aktionen selbstbestimmt durchführen konnten, verdeutlichte noch einmal, dass der Handlungsraum für Proteste längst nicht unter vollständiger Bullenkontrolle stand. Auch die weiteren Besetzungen von Ständen in der Innenstadt und die „No future for IAA“ Hausbesetzung im weiteren Verlauf des Tages konnten sie nicht verhindern.

Vor allem im Antworten auf Repression ist es immer wieder gelungen als Bewegung spektrenübergreifend kollektiv zu handeln, ob auf der Demo, beim GeSa-Support oder in kleinen solidarischen Handlungen.

und unsere Aktionsformen
Die lange unklare Struktur des Events „IAA“, die fehlenden Erfahrungswerte und der Charakter als Messe mit hauptsächlich „normalen“ Menschen, die nicht unbedingt unser Feind sind, stellten die Proteste im Vorfeld vor große Herausforderungen. Sowohl im Ziel der Angriffe, als auch im Ausdruck der Aktionen müssen die eigentlichen Inhalte klar werden: Unsere Feinde sind die Kapitalist:innen, wenn wir kämpfen, dann findet das nicht abseits von realen Klasseninteressen statt und eine revolutionäre Perspektive, die über den Kapitalismus hinaus weist, bleibt der Fokus. Auch niederschwellige Aktionen sollten nie einen rein symbolischen Charakter haben, sondern weiter entwickelbar sein und diese Aspekte in sich tragen.

Unserer Ansicht nach war die IAA eine gute Gelegenheit, etablierte Konzepte der Klimabewegung weiterzuentwickeln. Es gibt die Tendenz in dieser Bewegung, Aktionsformen nicht flexibel zu nutzen als Werkzeug, um unsere Ziele zu erreichen, sondern die Form selbst als Inhalt und deshalb absolut zu sehen. Das starre Festhalten an etablierten Fingerkonzepten und der Sitzblockade inklusive Identitätsverweigerung als Allheilmittel für jeden Aktionsanlass hat dazu geführt, dass die Bullen sich immer besser auf Großevents der Klimabewegung vorbereiten können und die Bewegung in der Aktion stagniert.

Gerade bei der IAA war aber gefragt, neue Konzepte zu finden und spontan zu reagieren. Relativ schnell wurde zum Beispiel klar, dass die bayerischen Bullen den Gegenprotest nicht einfach unangemeldet als Finger durch die Stadt würden ziehen lassen. Es mussten also Aktionsformen gefunden werden, die sowohl unter dem erhöhten Druck von Bullenkontrollen und -gewalt funktionieren, als auch offen und anschlussfähig sind. Ein selbstbestimmter Ablauf war nicht durch das günstig nutzbare Terrain (wie z.B. bei Ende Gelände Aktionen der letzten Jahre) und die Mobilisierungsstärke gegeben, sondern musste gezielt organisiert werden.

Außerdem sollte es Aktionen die richtigen Ziele (also: die Herrschenden) treffen und sich selbst vermitteln. Eine reine Konsumkritik, die normale Menschen auf dem Weg zur Arbeit trifft, wie es die Blockade der Autobahnen Anfang der Woche tat, sehen wir daher kritisch. Es ist natürlich nicht auszuschließen, das öffentliche Leben mit Aktionen lahmzulegen, wenn das Ziel vermittelbar ist (z.B. wenn dadurch ein Naziaufmarsch verhindert wird). Die Aktionen am Dienstag haben aber ausnahmslos alle getroffen, die dazu gezwungen waren mangels guter und kostengünstiger Alternative mit dem Auto von A nach B zu fahren. Das der Großteil dieser Menschen wohl eher Teil unserer Klasse sein dürfte und wenig Verständnis für eine solche Aktion aufbringt, dürfte nicht verwundern. Wenn man bedenkt, dass die IAA durch diese – zugegebenermaßen öffentlichkeitswirksamen – Aktionen selbst nicht im geringsten beeinträchtigt wurde und der Diskurs dadurch schnell auf bloße Konsumkritik „wir alle müssen weniger Auto fahren“ gelenkt wird, halten wir solche Aktionen für wenig förderlich.

Ebenfalls dürfen die Aktionen nicht so ausgelegt werden können, dass wir die Arbeiter:innen der Automobilindustrie (oder anderer „klimaschädlicher“ Industrien) dafür angreifen, dass sie ihren Job machen. Das kann erfahrungsgemäß funktionieren, wenn schon Kontakt in die Betriebe besteht und im besten Fall ein gemeinsamer Kampf existiert oder möglich ist.

Die Aktionen vor BOSCH als Angriff auf die Selbstdarstellung des Konzerns in Verbindung mit Solidarität des Arbeitskampfs der Beschäftigten gegen die Schließung des Werks haben Ansätze all dieser Anforderungen erfüllt. Erfreulicherweise ist es mit dem öffentlichen Smash IAA Finger gelungen, eine große Menge an Menschen – auch spontan dazustoßende – in einer verdeckten Aktion einzubinden, was eine gewisse Weiterentwicklung der klassischen Fingertaktik bedeutet. Eine gute Organisation und Vorbereitung, sowie stabil verankerte Strukturen vor Ort haben sich hier mal wieder als wichtigste Grundlage herausgestellt. Nur durch eine detaillierte Vorbereitung und die Mitarbeit vieler organisierter Menschen konnte diese überhaupt in der Form realisiert werden und gleichzeitig einen sicheren Anlaufpunkt für unerfahrene Menschen bieten.

Uns ist klar, dass die klassenkämpferische Strömung nicht der dominierende Teil der Klimabewegung ist und die größten Massen zu den Aktionen mobilisiert. Wir denken aber, dass klare Inhalte, gut strukturierte und ehrlich kommunizierte Aktionen und selbstbestimmtes, kollektives Auftreten der richtige Weg sind, um Menschen nicht nur zu Events zu mobilisieren, sondern dazu zu überzeugen, sich längerfristig zu organisieren.

Klassenkampf & Klimabewegung
Bei aller Stärke auf der Straße, ist das Problem von Mobilisierungen wie zur IAA, dass es sich um einen rein politischen Abwehrkampf handelt. Um wirklich gesellschaftliche Umbrüche herbeizuführen und die Machtverhältnisse zu ändern, brauchen wir jedoch die Kämpfe in den Betrieben. Organisierte Arbeiter:innen (oder auch nur linke Gewerkschaftsgliederungen) waren in der Mobilisierung zur IAA nicht vertreten.

Wie es das Beispiel bei BOSCH zeigt, werden jedoch in Deutschland in den kommenden Jahren die Kämpfe rund um die Umstellung auf E-Mobilität, Stellenabbau und Auslagerung stark zunehmen. Es wird gesellschaftliche Umbrüche und Arbeitskämpfe geben, zu denen wir als revolutionäre Linke Bezüge aufbauen müssen. Die Gefahr, dass rechte Kräfte es schaffen diese Dynamik aufzugreifen ist hoch – auch wegen „neoliberale“ Scheinlösungen für die Klimakrise(CO2-Steuer, Dieselverbote…), die sich leicht von rechts skandalisieren lassen.

Eine linke Antwort darauf muss Perspektiven jenseits des Kapitalismus formulieren, der diese Konflikte entstehen lässt. Aber sie muss auch gemeinsam mit den Arbeitenden das Kämpfen für unmittelbare Klasseninteressen beinhalten – und dabei geht es heute vor allem darum, in der Auseinandersetzung zu lernen, die offensivsten Teile der Klasse zu unterstützen und offen als Revolutionär:innen aufzutreten.

Die Aktionen vor BOSCH waren eine symbolische Soli-Aktion, und haben im Rahmen der IAA-Proteste in die richtige Richtung gewiesen. Es muss aber darum gehen, Auseinandersetzungen wie diese, in denen das Kapital angreift und Widerstand notwendig ist, langfristig anzugehen. Dafür ist reine Eventpolitik nicht geeignet. Wir müssen Organisierungen vor Ort entwickeln und eine hohe Sensibilität für Kämpfe/Offensiven zeigen, die von den Arbeiter:innen selbst geführt werden. Die Klimabewegung kann ein wichtiger Verbündeter sein, sie kann jedoch die Kämpfe nicht für die Arbeiter:innen führen.

Wir brauchen sowohl die Kämpfe in den Betrieben als auch eine klassenkämpferische Klimabewegung mit einem klaren Verständnis für eine gesamtgesellschaftliche Perspektive um den Kapitalismus von verschiedenen Seiten anzugreifen, seine Brüche und Widersprüche zu vertiefen und ihn schlussendlich zu überwinden.

Die eigene Seite aufbauen!
Nachdem wir nun schon seit einiger Zeit auf verschiedenen Ebenen innerhalb der Klimabewegung aktiv sind, haben wir versucht mit diesem Text in einigen Punkten Einschätzungen zu äußern und Vorschläge zu machen, um eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. In der IAA-Vorbereitung ist der Austausch mit anderen Teilen der Klimabewegung viel zu kurz gekommen. Gemeinsame Diskussionen über Ziele, Ausdruck und inhaltliche Perspektiven im Kampf gegen die Klimakrise kamen leider kaum vor. Selbstkritisch sehen wir, dass auch von uns wenig Angebote dazu kamen. Wir würden nun gerne eine solche Strategiediskussion, vielleicht auch als Auswertung, vorschlagen. Wir wollen Fragen wie „Verhältnis zum Staat“, „Klassenfrage“, „Organisierungsformen“ nicht nur für uns alleine beantworten, sondern im Austausch mit anderen (radikalen) Bündnissen und Organisationen.
Als revolutionäre Kommunist:innen verstehen wir uns als Teil der Klimabewegung, wir brauchen aber sowohl organisatorisch, als auch in der Praxis eigene Strukturen. Es gibt inhaltliche Widersprüche zu anderen Teilen der Bewegung, die das erforderlich machen, ein gutes Verhältnis zueinander aber keinesfalls ausschließen. Trotzdem ist es uns wichtig, nicht nebeneinander her zu arbeiten, sondern die Bewegung gemeinsam weiterzuentwickeln. Es ist notwendig, dass wir unsere Erfahrungen gemeinsam auswerten, voneinander lernen, und aneinander stärker werden. Allein schon die Dringlichkeit der Klimakrise macht offensichtlich, wie wichtig das ist. Denn klar ist, wie es ist kann es nicht bleiben:
Für den Kommunismus!

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Als Klasse kämpfen! – Bericht vom 1. Mai 2021

„Klasse gegen Klasse“. Bei dieser Parole hört man die Wut von einem Jahr Pandemiemanagement des Kapitals und seiner Regierung. Ein Jahr Maximale Gewinne für Spekulant*innen, Manager und Immobilienhaie. Ein Jahr fast ohne Freizeit, nur täglich Lohnarbeit verrichten, um den Chef reich zu machen. Am ersten Mai haben auf der ganzen Welt Kolleg*innen ihre Wut gegen diese Zustände auf die Straße getragen und auch für uns als Revolutionär*innen war es ein Tag um Kämpfe zusammenzuführend ein Zeichen für eine revolutionäre Bewegung zu setzen.

Der Tag begann mit der traditionellen Demonstration morgens vom Gewerkschaftshaus. Ca. 1000 Kolleginnen und Kollegen nahmen sich die Straße und folgten dem Aufruf von Ver.di, GEW und vielen linken Gruppen. Bis zu 200 davon beteiligten sich am antikapitalistischen Block. Der DGB selbst rief nur zu einer Kundgebung am Königsplatz auf. Dort konnte von der Demo ein deutliches Zeichen gesetzt werden. Die Gewerkschaftsführung wollte zuerst nur einen auserlesenen Kreis von Funktionär*innen und ausgewählten Kolleg*innen auf dem Königsplatz zulassen. Doch wir lassen uns ein kämpferisches Moment mit unseren Kolleg*innen sicher nicht kaputt machen. Deshalb haben wir uns den Platz einfach genommen, und sind mit Konfettikanonen feiernd auf den Platz eingezogen. Vor Ort gab noch eine deutliche Banneraktion gegen Sozialpartnerschaft, da der Redner der IG Metall Hoffmann, maßgeblich daran beteiligt war im Herbst den für die Kolleg*innen enttäuschenden faulen Kompromiss in der Metall- und Elektrobranche mit den Arbeitgeber*innen zu schließen.

Ein Jahr Pandemie hat nicht nur die Lage im Kapitalismus noch weiter verschärft, sie hat auch den Widerstand dagegen angefeuert. Die revolutionäre Bewegung in München wird sichtbarer und stärker. Das letzte Jahr war geprägt von unzähligen kleinen und großen, legalen wird grenzüberschreitenden Aktionen. Um dieser Entwicklung einen Ausdruck zu geben wurde von einer Initiative erstmalig in München zu einer  revolutionären 1. Mai Demonstration aufgerufen. Eine überwältigende Zahl von über 1000 Menschen nahmen an der Demonstration teil. Auch wenn die Polizei uns mit einem martialischen Aufgebot von Hunderten Behelmten empfingen, ließ sich die Demo nicht einschüchtern und war durchweg laut und entschlossen. Das Recht ohne Spalier zu laufen wurde eingefordert und erkämpft. Nachdem die Demo mit ein paar pyrotechnischen Effekten untermalt wurde, versuchte die Polizei noch mehr, die Demospitze zu stressen, es kam zu Schlägen und massivem Pfeffersprayeinsatz. Aber der Block stand solidarisch und hat sich gemeinsam gegen die Angriffe geschützt. Danke an dieser Stelle an die Demosanis. Und weiter ging es: Aus den Fenstern des Kafe Marat wurden wir mit Feuerwerk und Bannern begrüßt.

Bei Einkunft am Zenettiplatz hielt eine Vertreter*in der bundesweiten Plattform Perspektive Kommunismus eine Rede, die mit Rauch untermalt wurde. Die Rede unterstrich die Notwendigkeit, sich in der Krise revolutionär zu organisieren. Es ist wichtig, dass wir Aktionsräume eröffnen und Schritte machen um tatsächliche Gegenmacht gegen die kapitalistischen Verhältnisse aufbauen. Dafür war die Demonstration ein wichtiger Schritt, und sicherlich eine gute Grundlage für nächstes Jahr!   Am Zenettiplatz gab es im Anschluss eine Kulturkundgebung mit verschiedenen Beiträgen von Initiativen und Musiker*innen, unter anderen die Premiere eines neu gegründeten Arbeiter*innenchors. Außerdem gab es viele Extras wie Workshops, Quiz und Infostände, bei denen sich verschiedene offene Treffen vorstellten.

Nachdem wir wochenlangen auf den 1. Mai hingefiebert haben, verschiedene Form von Flyerverteilungen, Plakatieren und Mobiaktionen ausprobiert haben, und so viele Menschen sich beteiligt in der Vorbereitung haben, sind wir sehr happy, wie toll und kämpferisch dieser Tag war! Der 1. Mai in München war ein Erfolg, und dass er jedes Jahr größer wird, zeigt: eine revolutionäre Perspektive ist nicht nur notwendig, sondern wir können auch konkrete Schritte gehen um sie zu erkämpfen. Lasst uns diese Motivation mitnehmen für die zukünftigen Kämpfe dieses Jahres.

Bis zum Kommunismus!

Gegenmacht aufbauen statt Krise ausbaden! Aufruf zum Revolutionären 1. Mai in München 2021

Die dritte Welle der Coronapandemie rollt über Deutschland hinweg. Für die einen von uns heißt das, ohne Job oder mit Kurzarbeiter*innengeld über die Runden kommen zu müssen. Gleichzeitig bedeutet es für die Leute in der Restbelegschaft, die doppelte Arbeit machen zu müssen. Nach über einem Jahr könnte man meinen, die Politik würde zumindest jetzt die richtigen Maßnahmen ergreifen. Mehr Intensivbetten oder vernünftige Betreuungs- und Impfkonzepte? Fehlanzeige! Die Coronapandemie nutzen Politiker*innen stattdessen vor allem, um sich die eigenen Taschen zu füllen. Wir zahlen ein Vielfaches für Masken und Abgeordente lassen sich mit Vermögen von Konzernen bestechen.

Die Angestellten im Gesundheitsbereich, Einzelhandel und der Pflege dagegen haben nichts abbekommen, außer Applaus und Schokolade. Die Lohnerhöhung im öffentlichen Dienst – angeblich auch Corona-Held*innen – deckt kaum die höheren Lebenshaltungskosten ab. Dabei hat es doch schon vorher nicht zum Leben gereicht. Und jetzt legen Arbeitgeberverbände in den Tarifverhandlungen Nullrunden als „Angebot“ vor.

Für diese Zustände machen Politik und Arbeitgeberverbände die Corona-Krise verantwortlich. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich hat sich die Weltwirtschaft von der Krise 2008 nie ganz erholt. Über 10 Jahre lang wurden massenweise Geld und billige Kredite vergeben, um die Konjunktur anzukurbeln. Doch nichts davon ist bei der arbeitenden Bevölkerung angekommen. Die Milliarden flossen an Großkonzerne, deren Besitzer*innen damit an der Börse weiter fröhlich Lotto spielen. Bereits jetzt sind zehntausende Arbeitsplätze „gefährdet“. Gefährdet, weil den Konzernchef*innen klar ist, dass sie in wirtschaftlichen Flautezeiten ihre Arbeiter*innen noch härter ausbeuten müssen, um am internationalen Markt die Konkurrenz ausstechen zu können. Die Folge: Bei BMW will das Managment nach der Streichung von 5000 Stellen im Jahr 2020 auch dieses Jahr wieder Leute rausschmeißen – und das bei Milliardengewinnen.

All das lässt sich nicht mit der Coronakrise begründen. Doch die Pandemie ist eine willkommene Ausrede, um Löhne zu kürzen, die Arbeitsbelastung zu erhöhen und dabei auch noch Steuergeschenke und Kurzarbeiter*innengeld einzustecken.

In den Streiks der letzten Monate und Jahre hat sich gezeigt: Die herrschende Klasse weicht keinen Schritt zurück. Eine Verschiebung der Tarifverhandlungen nach die Pandemie kam ihnen nicht in die Tüte, denn Lockdown und Vereinzelung waren für die Chef*innen nur ein willkommener Grund, um mit unverschämt niedrigen „Angeboten“ noch einmal mehr auf die Arbeiter*innen draufzuschlagen. Die allgemeine Verunsicherung inmitten einer sich ausbreitenden Krankheitswelle und Hoffnung auf die schon längst aufgekündigte Sozialpartnerschaft taten ihr Übriges. Die Gewerkschaftsführungen gingen nicht den Schritt, massenhafte Aktionen und entschlossene Streiks auf die Tagesordnung zu setzen.

Dabei gibt es genug Beispiele, wie wir auf der Straße echte Verbesserungen erkämpfen können. Mit monatelangen Demonstrationen und Streiks legte die Gelbwestenbewegung ganz Frankreich lahm. Die französische Version von Hartz4 und eine Erhöhung des Rentenalters kostete der Regierung fast den Kopf. In Argentinien haben Frauen* eindrucksvoll gezeigt, dass frauen*feindliche Gesetze keine Chance gegen millionenfachen Widerstand haben. Nach einer beispiellosen politischen Kampagne, begleitet von Protesten, wurde Geschichte geschrieben: Das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen wurde gekippt. In den USA wurden mitten im gesundheitspolitischen Totalversagen der Regierung Trump und rassistischen Morden von Polizeibeamten ganze Stadtviertel besetzt. Polizeistationen mussten geräumt werden, halbe Innenstädte übernahmen ihre Verwaltung selbst. Die Menschen kümmerten sich selbst um die Versorgung Schutzsuchender, Sicherheit, Unterstützung der Ärmsten, Bildung und politische Teilhabe für alle.

All diese Erfolge sind nicht über Nacht entstanden. Besonders in München hatten revolutionäre Forderungen am 1. Mai nicht ihren festen, eigenen Platz. Dabei gibt es Gründe genug, dass sich auch hier endlich etwas bewegt. Deswegen heißt es ab auf die Straße. Lasst uns zeigen, dass wir uns nicht mit den Krümeln abfinden, die uns die Bonzen hinwerfen, das wir bereit sind für das zu kämpfen, was uns zusteht – und zu gewinnen!

Deshalb am 1. Mai auf die Straße und die revolutionäre Perspektive sichtbar machen:

  • 10 Uhr Revolutionärer Block auf der Gewerkschaftsdemo, DGB-Haus
  • 13:00 Revolutionäre 1. Mai Demo, Rindermarkt
  • Und danach: Kundgebung & Kultur ab 15 Uhr auf dem Zenettiplatz (Demo geht dort hin)

Infos auf der Seite vom Revolutionären 1. Mai München

Aufruf & Video: Konsequent antifaschistisch und gegen den Staat des Kapitals. Die eigene Seite aufbauen!

Aufruf zur bundesweiten Demo am 20. März in Stuttgart

Der Handlungsraum linker Bewegungen war schon immer eine Frage der Kräfteverhältnisse. Ob es möglich ist, Faschisten aus den Straßen zu jagen, profitgetriebener Umweltzerstörung Sand ins Getriebe zu streuen, oder kapitalistische Gipfeltreffen zu blockieren und in den Schatten der Proteste zu stellen, hängt einerseits von der Qualität des Widerstandes ab. Auf der anderen Seite arbeitet der bürgerliche Staatsapparat systematisch daran, Gegenbewegungen einzuschüchtern, zu isolieren und auseinander zu treiben. Das gilt besonders in Krisenphasen wie heute, in denen es eher Schlagstock und Gesetzesverschärfung sind, die eine Sicherung der Verhältnisse versprechen, als Zugeständnisse und Einbindung größerer Bevölkerungsteile. Um den wachsenden sozialen und politischen Unmut integrativ einzufangen, fehlt den Herrschenden schlicht der wirtschaftliche und politische Spielraum. Repression ist der schmerzhafte aber ehrliche Ersatz, der immerhin die eigentlichen gemeinsamen Interessen der Gegenseite klarer auf den Tisch bringt.

Wenn Aktivist:innen in Stuttgart und in Leipzig in den Knast gesteckt werden, weil sie im Verdacht stehen den Faschisten die Straße streitig zu machen, geht es dem Staat unmittelbar darum, der praktischen Gegenmacht, die sich in antifaschistischer Militanz ausdrückt, etwas entgegen zu setzen. Darüber hinaus beweist er natürlich auch politisches Gespür, wenn er gleichzeitig ein breites Spektrum bewaffneter und organisierter Faschisten nicht einmal annähernd so gründlich verfolgt. Sie sind schließlich nicht diejenigen, die den Eigentumsverhältnissen und den Privilegien der Herrschenden gefährlich werden könnten, wenn die Krise weiter voranschreitet. Im Gegenteil.

Das ist aber nur ein Teil des Bildes. Die andauernde Verfahrensflut gegen Linke wegen den Protesten gegen den G20-Gipfel 2017 in Hamburg, die brutalen Einsätze gegen die Klimabewegung im vergangenen Jahr, bei denen die deutsche Polizei wie eine Privatarmee für Großkonzerne auftrat, aber auch die bundesweite Verfolgung von Revolutionär:innen wegen der Bildung angeblich „krimineller“ oder „terroristischer“ Vereinigungen sind Schlaglichter einer größeren Tendenz: Die Repression des Staates verdichtet sich, wird begleitet von der regelmäßigen Inszenierung einer „neuen Gefahr“ von Links und wird zu einem Angriff, der sich gegen die gesamte Bewegung richtet. Immer weiter in den Hintergrund soll dabei rücken, was antikapitalistische und revolutionäre Politik für die Kapitalistenklasse und ihren Staat in diesen Zeiten so gefährlich macht: Das Potenzial Arbeiter:innen und andere Lohnabhängige in verschiedenen Kampffeldern gegen das herrschende Krisenmanagement in Stellung zu bringen und für ihre gemeinsamen Interessen zu mobilisieren. Interessierte und Unterstützer:innen sollen schon möglichst früh von den drohenden Konsequenzen abgeschreckt werden.

So strategisch wie das Innenministerium, Staatsanwaltschaften oder Polizeibehörden diesen Angriff verfolgen, so strategisch und geeint, sollten wir uns dagegen zur Wehr setzen! Keine Panik, keine Resignation, stattdessen die eigenen Strukturen umsichtig und geschützt aufbauen, beharrlich an den Widersprüchen und am Bruch mit diesem System arbeiten und: Solidarität mit den Betroffenen organisieren!

Im vergangenen Dezember waren wir über 3000, die in Solidarität mit den Betroffenen der G20-Repression in Hamburg gemeinsam auf die Straße gegangen sind. Lasst uns am 20. März in Stuttgart das nächste starke Zeichen einer kämpferischen und geeinten Bewegung gegen die Angriffe des Staates und für eine revolutionäre Perspektive auf die Straße tragen.

Freiheit für Lina und Dy!
Organisiert gegen Repression und Klassenjustiz!
Kommt zur Demo!

20. März | 14 Uhr | Stuttgart | Hauptbahnhof, Lautenschlagerstraße
Anreise aus München – Zugetreffpunkt 9:15 Uhr, Hauptbahnhof große Anzeigetafel
Alle Infos auf der Kampagnenseite

Heraus zum 8. März!

Der internationale Frauen*kampftag steht vor der Türe. Trotz und gerade wegen der Krise müssen wir uns als Frauen* organisieren und auf die Straße gehen. Trotz und gerade wegen der Krise, unter deren Last besonders wir Frauen* leiden.

Wir sehen uns auf der Straße! Montag, 8. März – 17:30 Uhr Alter Botanischer Garten

Weitere Termine beim Offenen Frauen*treffen Müchen

Frauen* in der Krise – Wir widersetzen uns! – Antikapitalistischer Aufruf 2021:

Frauen* kriegen die Krise (ab)

„Ich glaub ich krieg die Krise!“ Dieser Satz spricht wohl vielen Frauen* in diesen Tagen aus der Seele. Die aktuelle Corona-Krise verstärkt Strukturen, beziehungsweise legt diese in ihrem vollen Ausmaß offen, unter denen Frauen* seit Jahrtausenden leiden. Die aktuelle Krise lässt uns deutlich spüren, dass die patriarchalen Strukturen niemals weg waren. Diese Strukturen führen dazu, dass es wieder einmal die Frauen* sind, die die Krise abkriegen. Aber diese Entwicklung zeigt uns auch, dass uns nicht kleine Reförmchen zu einer gleichberechtigten Gesellschaft bringen werden, denn die sind „schwups“ wegrationalisiert. Sondern, dass wir Frauen* für eine grundlegend andere Gesellschaft kämpfen müssen! Ein kurzer, unvollständiger Abriss über den Wahnsinn, dem Frauen* in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind und gegen den es sich zu kämpfen lohnt:

Häusliche Gewalt/ Femizide: Alle 45 Minuten wird eine Frau* in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner verletzt oder angegriffen. Diese Zahl ist durch Corona und die häusliche Isolierung gestiegen. In 2020 sind mindestens 172 Frauen* in Deutschland Opfer von Femiziden geworden, ein Frauenmord jeden zweiten Tag. Gleichzeitig sind Frauenhäuser und Hilfestrukturen chronisch unterfinanziert und oft werden die Morde als Familiendramen abgetan.

Gender-Rollback: Durch Covid-19 wurde die öffentliche Versorgung, wie Kitas, Schule, Krankenpflege etc., wieder vermehrt ins Private verschoben. Frauen* haben diese Last voll abbekommen – Homeschooling/ Kinderbetreuung/ Pflege, all das wird in der Mehrzahl von Frauen* geschultert. Deutlich wird, dass vorher nur zum Schein mehr Gleichberechtigung da war. Die patriarchalen Strukturen waren nie fundamental anders, nur kaschiert, damit Frauen* nicht völlig am Rad drehen. Viel der Reproduktions- und Carearbeit war nicht gleichberechtigt verteilt, sondern einfach ausgelagert in die öffentliche Versorgung (und wurde dort von Frauen* gemacht). Frauen* erledigen sowie so schon 52% mehr Reproduktionsarbeit als Männer, das hat sich während Corona nochmal verschärft. Soziologin Jutta Allmendinger spricht davon, dass durch den Genderrollback in der Corona-Krise die Frauengleichberechtigung drei (!) Jahrzehnte zurück gesetzt wird und es nicht zu erwarten wäre, dass mit Ende der Pandemie diese Entwicklung wieder aufgehoben wird.

Emotionale Carearbeit und Kleinfamilie: Durch den Druck der Leistungsgesellschaft, Vereinsamung und speziell die Reduktion von sozialen Kontakten während Corona entsteht eine unglaubliche emotionale Bedürftigkeit, die in der Regel Frauen* auffangen. Sowohl für Kinder, als auch für Partnerinnen und Freundinnen sind sie die Zuhörerinnen, Kümmerinnen und Ansprechpartnerinnen, weil sie so sozialisiert sind! Verstärkt wird dies noch durch die ‚Corona-Kontakt-Gesetze‘, die sich nur an der bürgerlichen Kleinfamilie orientieren. Frauen sind der emotionale Kit unserer Gesellschaft (oder besser gesagt die emotionalen Müllschluckerinnen). Das ist schon lange so, in der Krise wird das aber nocheinmal spürbarer. Frauen tragen die Gesellschaft emotional durch die Krise und bezahlen dafür einen hohen Preis: Überforderung, Stress, Burnout, Teilzeitjobs und Altersarmut. Sich immer nur um andere kümmern zahlt eben nicht in die Rentenkasse ein.

Schlechterstellung auf dem Arbeitsmarkt: Auch auf dem Arbeitsmarkt läuft es für Frauen* ziemlich bescheiden. Neben schlechterer Bezahlung (Genderpaygap liegt in Deutschland bei 19% weniger Gehalt als Männer), arbeiten sie überdurchschnittlich oft in prekären Beschäftigungsverhältnissen oder in schlechtergestellten ‚Frauen‘-Berufen. Fun Fact: 75% der allseits als systemrelevant gefeierten Berufe (Einzelhandel/ Nahrungsmittel/ Kindergarten/ Krankenhäuser/ Hort) werden von Frauen* ausgeführt und zeichnen sich zusätzlich dadurch aus, dass sie schlecht bezahlt werden.

Weniger Verdienst und häufige Teilzeitarbeitsverhältnisse (wegen Kindern, Familie oder Pflege) führen dazu, dass Armut und Altersarmut weibliche Phänomene sind. So haben Frauen* in Deutschland im Schnitt 60% weniger Rente als Männer. Diese Stellung auf dem Arbeitsmarkt führt oft, vor allem wenn Kinder mit im Spiel sind, zu einer ökonomischen Abhängigkeit von Männern, die z.B. das Gefangensein in Gewaltbeziehungen bedingen können.

Auch in diesem Bereich haut die Krise nochmal einen drauf: Denn die meisten Gelder in den Konjunktur- und Hilfspaketen kommen männerdominierten Branchen zu gute. Nur 4,25% gehen an Branchen, in denen mehrheitlich Frauen arbeiten (Kulturbereich, Gastro, Bildung, Erziehung, Gesundheit). Auch die Tarifverhandlungen im Herbst im öffentlichen Dienst, in dem überdurchschnittlich viele Frauen* arbeiten, erzählen die gleiche Geschichte, denn sie sind wirklich richtig scheiße gelaufen! In Österreich sind 85% der durch Corona von Arbeitslosigkeit Betroffenen Frauen*.

Gesundheitswesen: Im durchschnittlichen deutschen Krankenhaus arbeiten 75% Frauen* und damit in einem Bereich, der gesellschaftlich zwar unbedingt notwendig ist, aber seit Jahrzehnten unterfinanziert und überlastet ist. Laut ver.di fehlten bereits 2019 80.000 Pflegekräfte und Berufe im Gesundheitswesen bergen das größte Burnout Potential. In der Corona-Krise arbeiten hier also vor allem Frauen* am totalen Limit. Zu wenig Arbeitskräfte, zu wenig Schutzausrüstung, Erhöhung der Arbeitszeit, hohes Ansteckungsrisiko und keine nennenswerte finanzielle Unterstützung oder Ausgleich dafür (Außer man ist so makaber und lässt Klatschen, Blumen oder Plätzchen zählen).

Abtreibung: Abtreibung ist auch im Jahre 2021 ein Wut-Thema der Frauen-Bewegung, weil sich einfach nichts verändert hat! Nicht dass es nicht schon reicht, dass Abtreibung in Deutschland immer noch illegal ist und nur der Strafvollzug unter gewissen Bedingungen ausgesetzt wird; es durch das ‚Werbeverbot‘ für Frauen schwierig ist, überhaupt an objektive Informationen zu kommen und eine Schwangerschaftskonfliktberatung zwingend notwendig ist. Oben drauf kommt noch, dass Abtreibungen durch Corona noch schwieriger geworden sind. Denn es war einer der ersten Bereiche, die als ’nicht-notwendige Eingriffe‘ nicht mehr ausgeführt wurden. So hoch sind Selbstbestimmungsrechte von Frauen* also in unserer Gesellschaft angesiedelt, gleich hinter dem schöhnheitschirugischen Eingriff und der Kieferchirugie!

Wir widersetzen uns!

Frauen* kriegen also diese Krise ab. Aber wenn wir ehrlich sind, kriegen Frauen* seit Jahrhunderten jede Krise ab. Und die grundlegendste dieser Krisen heißt wirtschaftliche Ausbeutung und patriarchale Unterdrückung – Immer und immer wieder werden wir darauf zurück geworfen!
Es ist Zeit sich diesem System zu widersetzen und es ein für alle mal abzuschaffen. Wir Frauen* haben jedes Recht wütend zu sein! Sie fragen uns, warum wir uns aufregen? Sie fragen uns, warum wir uns so aufführen? Sie fragen uns, warum wir permanent die Krise kriegen? – Weil das System scheiße ist und weil wir es verdammt nochmal richtig satt haben!

In diesem System werden wir keine Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Sicherheit erreichen. Wir müssen gemeinsam am internationalen Frauenkampftag auf die Straße gehen und für eine Gesellschaft kämpfen, in der wir Frauen selbstbestimmt und gleichberechtigt leben können. Nehmen wir uns die Frauen* in Lateinamerika, in Polen oder in Rojava als Vorbilder.

Schließt euch uns an. Organisieren wir gemeinsam den Frauen*kampf. Lasst uns für ein anderes System ohne patriarchale Unterdrückung und wirtschaftliche Ausbeutung kämpfen. Am 8. März und 365 Tage im Jahr. Gehen wir gemeinsam auf die Straße!

Denn die Krise steckt im System – Zusammen gegen das Patriarchat.

Shutdown für Krieg, Rüstung & Kapitalismus!

Das Kriegsgeschäft geht weiter: Es jährt sich mal wieder der Termin zur Sicherheitskonferenz in München, das größte Meet-and-greet der weltweit oberen Kriegstreiber aus Kapital und Militär. Dieses Jahr ist alles etwas anders, denn die Konferenz wurde coronabedingt verschoben. Dieses Wochenende fand nur eine Online-Konferenz, unter anderem mit Joe Biden, Angela Merkel und Boris Johnson statt, bei dem es um „global challenges“ gehen sollte – was das bedeutet können wir uns gut vorstellen: Exportmärkte sichern, Geflüchtetenabwehr und Aufstandsbekämpfung.

Zusammen mit anderen Organisationen aus dem Bündnis gegen die Sicherheitskonferenz nahmen wir den Termin zum Anlass, um Antimilitarismus auf die Straße zu bringen und uns auf die Proteste gegen die wahrscheinlich April oder Mai folgende „richtige“ SiKo“ einzustimmen. Mehrere Hundert Menschen folgten dem Aufruf und zogen lautstark in einer Demo vom Marienplatz zum Bayrischer Hof. Dem Hotel, in dem die Konferenz normalerweise stattfindet, kamen wir so in diesem Jahr so nah wie nie. Der antikapitalistische Block stimmte Parolen gegen den deutschen Imperialismus und Rüstungsindustrie, und in Solidarität mit den Kämpfenden in Rojava an.

Im Anschluss an die Demo gab es noch in unmittelbarer Nachbarschaft des Bayrischen Hofs eine unangemeldete Aktion: in einer Sponti zogen über 50 AktivistInnen zur Filiale der „Airbus-Bank“. Dort wurden satirische Werbeplakate an die Scheiben angebracht und eine kurze Rede über die Profite des Airbus-Konzerns durch Rüstungsexporte gehalten.

Trotz Corona und Lockdown: Krieg, Aufrüstung und Abschottung gehen weiter. Deshalb können auch wir nicht aufhören dagegen zu kämpfen. Für eine Welt ohne Krieg – für den Kommunismus!

PK: Kriminell ist der Kapitalismus, nicht der Widerstand dagegen! – Solidarität mit dem Roten Aufbau Hamburg!

Der Staat greift uns an. Getroffen hat es unsere Genossinnen und Genossen des Roten Aufbau Hamburg. Am Montag morgen wurden 28 Wohnungen und linke Räumlichkeiten durchsucht, die die politische Polizei in Hamburg dem Roten Aufbau Hamburg zurechnet. Medienwirksam wurden dabei Türen von SEK-Einheiten aufgebrochen und GenossInnen mit vorgehaltenen Maschinenpistolen aus dem Bett gezogen. Der genaue Umfang des Angriffs, wie auch der konkreten Vorwürfe, ist noch nicht ganz klar. Selbst darüber, ob gegen unsere GenossInnen als Teil einer „kriminellen“ – §129 – oder gar als Teil einer „terroristischen“ Vereinigung – § 129a – ermittelt wird, widersprechen sich die offiziellen Stellen teilweise. Fest steht nur, dass es sich bisher um den größten staatlichen Angriff gegen linke Strukturen seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten, in Deutschland handelt – sieht man einmal von den permanenten Angriffen gegen die kurdische und türkische Linke ab. Fest steht auch, dass dieser Angriff ein Zeichen, eine Warnung an alle verbliebenen revolutionären Strukturen ist: Wer sich gegen den Kapitalismus und seine Auswüchse organisiert, wer sich nicht abfinden will mit der täglichen Ausbeutung und Zerstörung eines krisenhaften Systems und wer selbstbewußt eine sozialistische Perspektive formuliert – der wird mit allen Mitteln der Repressionsorgane verfolgt.
So willkürlich die konkreten Vorwürfe auch sein mögen, dieser Repressionsschlag passt in unsere Zeit: Die kapitalistische Wirtschaft schlittert befeuert von Corona in eine immer tiefere Krise. Beinahe täglich gibt es Meldungen über Betriebsschließungen und Entlassungen. Die Schäden die die herrschende Produktionsweise an unserer Umwelt angerichtet hat, sind unübersehbar. Auch das politische System ist nicht krisenfest – das ist weiten Teilen der herrschenden Klasse und des Staatsapparates bewusst. Die Verschärfungen der Polizeigesetze und neue Befugnisse für die rechten Geheimdienste zielen darauf ab, bei einer Verschärfung der Krise Massenprotesten mit mehr Härte begegnen zu können. Ein zentrales Element solch eines reaktionären Krisenmanagements, ist dabei schon immer gewesen, diejenigen zu bekämpfen, die darauf bestehen, dass das herrschende Chaos aus Krise, Krieg, Patriarchat, Rassismus und Umweltzerstörung nicht alternativlos und auch nicht reformierbar ist. Die versuchen eine andere gesellschaftliche Perspektive – den Sozialismus und schließlich die klassenlose Gesellschaft – aufzuzeigen. Die darauf bestehen, dass es dazu den revolutionären Bruch mit dem Bestehenden braucht und – das ist das Wichtigste – die sich für dieses Ziel organisieren.
Es ist also kein Zufall oder Fehler im System, dass bei KommunistInnen die Türen eingetreten werden, während sich Faschisten innerhalb von Polizei und Armee bewaffnen und Morddrohungen verbreiten. Beides sind nur folgerichtige Reaktionen von Menschen, die wissen, dass ihr auf Ungleichheit und Ausbeutung basierendes System nicht so stabil ist wie sie es ständig selbst verkünden.
Deshalb dürfen Angriffe wie der aktuelle auch nicht zu Panik führen: Repression und ihr Versuch das Streben nach einer solidarischen Gesellschaft zu kriminalisieren, war schon immer und ist auch heute ein ständiger Begleiter revolutionärer Organisationen, die ihren eigenen Anspruch ernst nehmen. Wir müssen die Repression zum Anlass nehmen, einen Umgang mit ihr zu finden und uns und unsere Strukturen besser zu schützen. Denn unsere Organisierungen sind unser einziges Mittel, politische Erfahrungen, gesellschaftliche Perspektiven und das gezielte Handeln in Kämpfen zu verbinden und stetig auf eine neue Stufe zu heben.
Deshalb ist jetzt nicht die Zeit Wunden zu lecken, sondern Zeit für offensive Solidarität: Der Staat zielt mit seinem Angriff auf alle organisierten linken Strukturen und versucht uns einzuschüchtern. Deshalb heißt Solidarität jetzt auch: Selbst aktiv werden, sich organisieren und den Kampf aufnehmen! Solidarität bedeutet den revolutionären Anspruch den die GenossInnen in Hamburg formuliert haben und der jetzt kriminalisiert werden soll, zu verteidigen! Und nicht zuletzt: Solidarität besteht nicht nur aus Worten oder Hashtags – Solidarität muss konkret werden, in gegenseitiger Hilfe und gemeinsamer Praxis!

Kriminell ist der Kapitalismus, nicht der Widerstand dagegen! – Solidarität mit dem Roten Aufbau Hamburg!

Als Klasse: Organisieren, Streiken, (Energie)konzerne Enteignen! Im September ins Rheinland

Der menschengemachte Klimawandel spitzt sich zu und bringt immer katastrophalere Auswirkungen mit sich. Der Regenwald brennt, der Permafrost taut auf, Dürre breitet sich aus. Schon jetzt werden leut einer Greenpeace Studie pro Jahr über 25 Millionen Menschen von den Folgen der Klimakrise zur Flucht gezwungen. In etwas mehr als drei bis sieben Jahren werden wir aller Voraussicht nach das 1,5 Grad-Ziel verfehlt haben, die Folgen sind unabsehbar. Aber die globale Erwärmung ist kein Schicksal, dem es sich zu ergeben gilt. Hinter ihr stehen handfeste Interessen: Die der großen Konzerne und ihrer Eigentümern, die ihren Drang nach Profiten über die Zukunft der Menschheit stellen. Getreu nach dem Motto: „Nach uns die Sintflut!“
Das fossile Kapital ist dabei der wohl wichtigste Profiteur der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Es waren die Kapitalisten der fossilen Konzerne, von Shell, Exxon, BP und Chevron, die jahrzehntelang die Existenz des menschengemachten Klimawandels vertuscht haben und heute noch mit Millionenbeträgen dessen LeugnerInnen unterstützen. Und es sind die fossilen Energiekonzerne, die in Deutschland den größten Teil des CO2-Ausstoßes verursachen. Der bürgerliche Staat agiert dabei als Schutzmacht der großen Konzerne. Zuletzt konnten wir das bei der Entscheidung über das sogenannte „Kohleausstiegsgesetz“ beobachten. Der Staat schenkt den Kohlekonzernen in Deutschland Milliarden dafür, dass sie noch bis 2038 die Klimakrise befeuern dürfen. 2038 – da werden wir das 1,5 Grad Ziel bereits seit mehr als zehn Jahren überschritten haben. Solche Entscheidungen sind jedoch kein Zufall: In kapitalistischen Gesellschaften vertritt jeder Staat stets die Interessen seines nationalen Kapitals. Jede noch so kleine Begrenzung der rücksichtslosen Ausbeutung von Mensch und Natur muss ihm durch harte Kämpfe abgerungen werden. Der Kampf um das Ende der Kohleverbrennung steht dabei in einer Linie mit den Kämpfen um den 8-Stunden-Tag oder das Verbot der Kinderarbeit: Er steht in der Tradition all jener Kämpfe, in denen die arbeitende Mehrheit ihr Leben und ihre Würde gegen die exzessive Ausbeutung durch die besitzende Minderheit verteidigt hat.
Der Kampf für Klimagerechtigkeit bedeutet Klassenkampf!
Oft wird es dargestellt, als sei der späte Kohleausstieg im Interesse der KohlearbeiterInnen und würde ihnen zuliebe passieren. Aber das ist eine Lüge! Die Milliarden, die der Staat an die Kohlekonzerne zu verschenken hat, gehen nicht an die arbeitenden Menschen dort. Sie werden nicht dafür genutzt, den Menschen in der Region eine dauerhafte Zukunft zu sichern, dort erneuerbare Energien aufzubauen oder die Konversion der Industrie voranzutreiben. Vielmehr sollen die ArbeiterInnen in den Kohlekonzernen noch fast zwei Jahrzehnte für die Profite anderer an der Zerstörung ihrer eigenen Zukunft arbeiten – um danach allein gelassen zu werden. Dieses Muster ist längst kein Einzelfall: Auch in der PKW- Produktion wird von Seiten der bürgerlichen Parteien und der Kapitalisten gerne ein Widerspruch aufgemacht, der eigentlich keiner ist. Wenn in der Automobilindustrie mit der Umstellung auf Elektromotoren Jobs abgebaut werden, dann geschieht dass nicht, weil die großen Konzerne sich endlich ihrer Verantwortung für das Klima bewusst geworden sind – ganz unabhängig davon, dass Elektromotoren für das Klima keine nennenswerte Verbesserung im Vergleich zu Verbrennungsmotoren darstellen. Nein, mit Elektromotoren und den damit einhergehenden Stellenstreichungen, weil für die Herstellung von Elektromotoren weniger ArbeiterInnen benötigt werden, lässt sich in Zukunft einfach nur mehr Geld verdienen.
Wirklich im Interesse der ArbeiterInnen wäre eine nachhaltige Umstellung der Industrie und Energiegewinnung auf ökologisch sinnvolle Aspekte wie beispielsweise erneuerbare Energien oder den Ausbau und die Instandhaltung des öffentlichen Nahverkehrs. Wenn wir dafür weniger Energie und Arbeit benötigen und das Klima durch das Herunterfahren der Produktion schonen wollen, ist das an sich kein Problem. Keine Arbeiterin und kein Arbeiter wird sich über weniger Arbeit bei vollem Lohnausgleich beschweren, das einzige was dem im Weg steht sind die Profite der Kapitalisten! Letzten Endes haben ArbeiterInnen und KlimaschützerInnen eben keine entgegengesetzten Interessen. Im Gegenteil ihre Kämpfe können sich wunderbar ergänzen. Was würde einen Braunkohle Tagbau denn effektiver stilllegen als ein wochenlanger Streik der BergarbeiterInnen mit Unterstützung der Klimabewegung?
Das Problem ist: Die Entscheidung, was und wie produziert wird, liegt im Kapitalismus nicht bei den arbeitenden Menschen. Sie wird von den Kapitalisten getroffen. Das Kommando geben diejenigen, denen ihr Bankkonto es erlaubt, sich den Auswirkungen der Klimakrise so lang wie möglich zu entziehen, indem sie einen Fünftwohnsitz an einem schattigen Plätzchen fern von Dürren und Wetterkatastrophen anmelden.
Als letztes Jahr mehr als 5000 Amazon-Angestellte auf der Aktionärsversammlung ihres Konzerns die Forderung erhoben haben, klimafreundlicher arbeiten zu wollen, wurde ihr Antrag abgelehnt – er stand dem Profitinteresse entgegen. Während die Konzerne Uniper und Fortum aktuell mit Datteln4 ein neues Kohlekraftwerk ans Netz bringen durften, gehen CDU und CSU gegen die Solarenergie, und damit gegen 100.000 Arbeitsplätze vor. Für den Braunkohlebergbau werden nicht nur ArbeiterInnen ausgebeutet. Allein in Deutschland wurden in den letzten Jahrzehnten über 50 Dörfer platt gemacht und 100.000 Menschen enteignet und zwangsumgesiedelt um Platz für den Braunkohletagbau zu schaffen. Es sind Enteignungen für den Profit und gegen die Menschheit. Wir müssen uns das, was sie uns genommen haben, zurückholen – und mehr.
Wenn wir die Klimakrise aufhalten wollen, dann müssen wir verstehen, dass sie in den Wurzeln des Kapitalismus selbst steckt. Der kapitalistische Wettbewerb zwischen den Konzernen und der daraus folgende Zwang immer mehr und immer billiger zu produzieren lassen sich einfach nicht mit einer Welt mit begrenzten Rohstoffen kombinieren. Appelle an die Vernunft der Kapitalisten doch endlich einzusehen, dass ihre Art zu produzieren unserem Klima und letzten Endes uns allen schadet sind da genauso wirkungslos wie die die Hoffnung, dass die bürgerliche Politik endlich mal eingreift und etwas wirklich sinnvolles für den Klimaschutz tut. Durch die ständige Konkurrenz ist der einzelne Kapitalist quasi dazu gezwungen möglichst billig und viel – und das geht eben zu Lasten von Mensch, Klima und Natur – zu produzieren um seinen Konkurrenten zuvorzukommen. Sollte er von einem plötzlichen Sinnenswandel ergriffen werden und seine Produktion wirklich ökologisch umstellen, geht er im Wettbewerb unter.
Machen wir es besser!
Klar ist, wenn wir den Klimawandel aufhalten wollen, müssen wir bewusster produzieren und wir müssen weniger produzieren. Wir müssen aufhören CO2 für so unnötige Dinge wie Werbung oder Luxuskarren als persönliches Statussymbol in die Luft zu schleudern. Und, wir müssen endlich anfangen gemeinsam und demokratisch zu entscheiden, was wir unter welchen Bedingungen und in welchen Mengen produzieren. Wen wir entscheiden wie produziert wird können wir Produkte herstellen, die nicht nach wenigen Monaten oder Jahren kaputt gehen damit sie neu gekauft werden müssen. Diese Entscheidungen dürfen nicht vom kapitalistischen Wettbewerb und dem Streben nach immer größeren Profiten und immer mehr Wachstum geprägt sein. Wir müssen planvoll so produzieren, dass wir unserem Klima und unsere Umwelt am wenigsten schaden und doch alle Menschen versorgen können. Wir müssen also die Kapitalisten enteignen und selbst die Entscheidungsgewalt über die Produktion der großen Betriebe übernehmen.
Unser Kampf um Klima und Umwelt und letzten Endes um unsere Zukunft steht dabei in einer langen Tradition. Die Anti AKW Bewegung hat mit ihrem Massencharakter und ihrer Militanz ein ganzes Jahrzehnt geprägt und bewiesen, dass durchaus Teilerfolge errungen werden können. Ende Gelände hat in den letzten Jahren gezeigt, dass auch heute noch massenhafte Grenzüberschreitungen möglich und effektiv sind. Die neue Dynamik und insbesondere die weltweite Vernetzung der Fridays For Future – Bewegung machen Mut für die Zukunft. Es wird immer deutlicher, dass der Kapitalismus in der aktuellen Krise keine Antworten mehr geben kann. Jetzt gilt es die Kämpfe der Klimabewegung als Teil einer umfassenden Gegenbewegung von Unten zu begreifen. Es reicht nicht mehr aus bei den Forderungen nach bloßen Verbesserungen des Bestehenden zu bleiben – sie werden doch sowieso bis in die Unkenntlichkeit verwässert oder gar nicht erst umgesetzt. Es kommt darauf an das ganze System, den Kapitalismus, auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen.
Am 26. und 27. September werden wir uns an den Ende-Gelände Protesten gegen den Kohlekonzern im Rheinland beteiligen. Der gemeinsame Kampf am Ort des Geschehens ist ein Ansatzpunkt Widerstand zu entwickeln, der im klaren Gegensatz zu den Interessen der Konzerne steht und sich nicht von den staatlichen Repressionsorganen unter Kontrolle bringen lässt. Ganz konkret können wir dort zeigen, dass wir den Schutz des Kapitals auf Kosten unser aller Zukunft nicht einfach hinnehmen. Zeigen wir RWE und co., dass sie sich mit den falschen angelegt haben. Denn wir sind die Mehrheit!
Für den Kommunismus!

Als Klasse: Organisieren, Streiken, (Energie)konzerne Enteignen! Im September ins Rheinland

Sozialismus revolutionär erkämpfen? Selbstverständlich! Kampf der Klassenjustiz

Heute Morgen kam es bundesweit zu 27 Hausdurchsuchungen. Über 200 Cops, Staatsschutz und SEK-Einheiten waren an der großangelegten Aktion beteiligt. Neben 24 Durchsuchungen in Hamburg fanden Durchsuchungen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen statt. 22 GenossInnen wird vorgeworfen, Mitglieder vom Roten Aufbau Hamburg zu sein. Grundlage ist ein Verfahren gegen den Roten Aufbau wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung nach Paragraph 129. In der Begründung heißt es u.a., der Rote Aufbau wolle “die freiheitlich demokratische Grundordnung durch ein sozialistisches System ersetzen, das von einer kommunistischen Arbeiterpartei geführt werde”.
Dass wir als Perspektive Kommunismus für einen revolutionären Bruch mit den herrschenden Verhältnissen stehen, ist absolut richtig. Wir wollen den Kapitalismus revolutionär überwinden, weil in diesem System die Klasse der Reichen immer mehr Reichtum hortet, während immer mehr Menschen auf der Strecke bleiben. Mit einer demokratischen Grundordnung und sozialer Gerechtigkeit hatte der Kapitalismus noch nie etwas gemein. Dass zur Aufrechterhaltung der bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnisse auch die Klassenjustiz mit Gerichten, Repressionsbehörden und Großaufgeboten der Cops zum Einsatz kommen und linke Politik systematisch kriminalisiert wird, ist nichts Neues. Bereits in den vergangenen Jahren kam es wiederholt zu Hausdurchsuchungen gegen einzelne GenossInnen, welche die Repressionsbehörden dem Roten Aufbau zuordnen. Der jetzige Repressionsschlag auf Grundlage des §129 ist nun eine neue Qualität der Repression. Der Repressionsschlag und das 129-Verfahren sind nicht nur dem Roten Aufbau gewidmet, sondern ein Angriff auf die gesamte radikale Linke. Zeigen wir uns solidarisch mit den GenossInnen und lassen die Kriminalisierung ins Leere laufen.
Heute Abend findet spontan eine Solidaritätsdemonstration in Hamburg statt. Auftakt ist ab 19.00 Uhr vor der Roten Flora.
In Kürze mehr…

AKTUELL: Razzia gegen Roten Aufbau – Kampf der Klassenjustiz!

28.08.2020 = Tag X: Urteilsverkündung im TKP/ML Verfahren

Demonstration am 28.7. um 10 h vor dem OLG München

Februar 2015: In Deutschland, Griechenland, der Schweiz und Frankreich werden 10 Menschen verhaftet und in deutsche Untersuchungshaft gebracht. Ihnen wir vorgeworfen, Mitglieder der Kommunistischen Partei der Türkei TKP/ML zu sein. Am 17. Juni 2016 begann ein zehrend langer Prozess vor dem Oberlandesgericht München, der sich bis heute hinzieht. Nach über drei Jahren U-Haft, musste zwar die Justiz damit beginnen, die Angeklagten nach und nach wieder frei zu lassen, der Hauptangeklagte Müslüm Elma ist aber immer noch hinter Gittern.
Die TKP/ML ist in der Türkei seit ihrer Gründung verboten. In Deutschland und dem Rest der Welt allerdings nicht. Trotzdem wird das Verfahren gegen die Angeklagten unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer „ausländischen terroristischen Vereinigung“ nach §129b des Strafgesetzbuches geführt. Keinem der Angeklagten wird dabei vorgeworfen, in Deutschland Straftaten begangen zu haben. Zu „Terrorist*innen“ wurden sie allein durch das Verteilen von Flugblättern, Sammeln von Spenden und dem Anmelden von Demonstrationen und Kundgebungen.

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